26.03.14

Im neuen Gewand erscheint mein Roman "Schattenseelen" als eBook im Weltbild-Verlag. Es geht dabei um den ersten Band meiner "Seelen"-Trilogie, die ursprünglich im Heyne-Verlag herausgegeben wurde:

Finsternis liegt über Hamburg, und die Krankenschwester Evelyn Behrens wird entführt – in eine Welt voller Gefahren und Geheimnisse … Sie muss sich entscheiden: zwischen einem Mann, der schon lange tot ist, und einem anderen, für den ihre Liebe das Todesurteil ist …


Hier kann man das eBook erwerben: http://www.weltbild.de/3/18890875-1/ebook/schattenseelen.html

27.02.14

147 Seiten
Verlag Das Beben
ASIN: B00EWQW8TE

„Pension Barbara“ war meine zweite Novelle aus dem Hause „Das Beben“, und nach der äußerst appetitanregenden Lektüre „Vor dem Pilzgericht“ war ich entsprechend gespannt darauf. Der Anfang macht auch hier sehr neugierig: Während seine schwangere Frau im Meckenheim-Institut Wehen hemmenden Maßnahmen über sich ergehen lassen muss, hat Felix Walter in der Pension Barbara im nahen Kesslingen schwer mit einem heftigen Kulturschock zu kämpfen. Bereits der erste Anblick der Zimmereinrichtung schlägt ihm gehörig auf das Gemüt: „Halb verdeckt von dem Schrank und einer Makramè-Scheußlichkeit, die früher einmal als Blumenampel gedient haben mochte und jetzt einfach leer und sinnlos von der Decke hing, fand ich ein unmotiviert hohes, mit Bauernmalerei verziertes Abstelltischchen (offensichtlich Eigenbau), auf dem ein Drehscheibentelefon aus den Sechzigern stand. Es war eigentlich grau, aber man hatte ihm zu Schutz und Zierde ein eng anliegendes, rotes Samtjäckchen mit goldener Bordüre verpasst, in dem es aussah wie ein winzig kleines Kind, das gleichzeitig an Verstopfung und geschmacksgestörten Eltern litt.“ Das ungezwungene Bummeln durch das verschlafene Dorf verstärkt nur den Eindruck, dass die Makramé-Ampel nicht die einzige Kesslinger Scheußlichkeit bleiben wird. Kurz darauf ist klar: Im Institut gehen merkwürdige Dinge vor sich. Da kann der Leiter Meckenheim noch so viel von verwunderlichen Eigenschaften des Axolotl-Tierchens erzählen, das bei Zugabe von Jod im Larvenstadium munter aus dem Wasser ans Land auswandert - dass etwas im Busch ist, kann man meilenweit riechen. Somit ist die unheimliche Atmosphäre eines verschlafenen Örtchens im Nu erschaffen. Doch die Substanz der Grundidee geht schnell verloren. Prompt müssen Teufelsmalereien in der hiesigen Kapelle, eine Fast-Affäre mit einer fleischgewordenen Versuchung, ein verlassener Bunker, Legenden über das verschollene Nazi-Gold und der Fund einer Pistole für weitere Spannungspunkte sorgen. Da fragt man sich als Leser, was diese Geschichte eigentlich erzählen will, und genauso wie die Handlung selbst verflüssigt sich leider auch der ansprechende Stil der Novelle. Die Figuren verleiten einen buchstäblich dazu, eigene Kenntnisse der Küchenpsychologie hervorzukramen und sich an psychologischen Gutachten zu versuchen. Während Katharina Walters Stimmungsschwankungen noch mit dem Hormonhaushalt einer Schwangeren zu erklären sind, fragt man sich zunehmend, was dem infantilen Verhalten ihres Mannes Felix zu Grunde liegt. Jede Konversation stellt für ihn einen Kampf dar, den es unbedingt zu gewinnen gilt, sogar dann, wenn es um das simple Ausleihen eines Wasserkochers geht. Allen Menschen begegnet er mit einer schon fast vorprogrammierten Ablehnung (die in der Novelle einzige Ausnahme bestätigt dabei die Regel), und so manche Handlung würde man eher einem Pubertierenden als einem erwachsenen Mann zuschreiben. Alles in Allem zeigt „Pension Barbara“ sehr interessante Ansätze, und, mag man über die Schwächen hinwegsehen, stellt die Novelle auch eine sehr nette Zwischendurchlektüre dar, doch handlungstechnische und sprachliche Dichte sucht man hier vergebens.

07.02.14

Worüber unterhalten sich Autoren, wenn sie unter sich sind? In der letzten "The Tempest"-Ausgabe ist ein Gespräch zwischen mir und Barbara Slawig erschienen, in dem wir unsere Gedanken zu Thema E- und U-Literatur austauschen. Gibt es eine Kluft zwischen diesen beiden Literatur-Richtungen? Und wenn ja, kann man sie überwinden? HIER geht es zum Gespräch.

Mehr über literarische Themen kann man auf meiner Facebook-Seite lesen.

09.11.13

344 Seiten
Sutton-Verlag
ISBN-13: 978-3954000302

Dieses Buch habe ich letztes Jahr zum Geburtstag bekommen. Es war der erste Roman von Stefanie Ross, den ich in den Händen gehalten habe, aber nicht der erste, den ich lesen durfte. Da mein Stapel der zu rezensierenden Bücher meistens zu kippen droht, musste das private Vergnügen leider etwas länger warten.

Und worum geht es in „Fatale Bilanz“? Als Schüsse am Hamburger Rödingsmarkt fallen, nimmt der Kriminalkommissar Sven Klein die Angelegenheit sehr persönlich. Immerhin standen dabei zwei seiner Kollegen unter Beschuss. Der Bankmanager Joachim Kranz, den der Scharfschütze ins Visier genommen hat, kommt allerdings nur mit einem Schrecken davon. Pures Glück, oder waren die Schüsse bloß eine Warnung? Sven Klein nimmt die Ermittlungen auf, und schon bald steht er im Fadenkreuz skrupelloser Drahtzieher, die sogar mit Al-Quaida in Verbindung gebracht werden.

Scharfschützen, Terroristen, ein Bundeswehr-Hubschrauber im Einsatz und SEALs in Hamburg - wer zu „Stefanie Ross“ greift, bekommt auch „Stefanie Ross“, und da kann keiner sagen, er hätte „was anderes erwartet“. Der Name ist in diesem Fall Programm. Ist denn all das überhaupt realistisch? Die Autorin erklärt: „Ich bin mehr oder weniger durch Zufall darauf gestoßen, dass im Rahmen der Ermittlungen zu 9/11 tatsächlich Polizeibehörden und militärische Spezialeinheiten zusammengearbeitet haben. Als ich selbst zu schreiben begann, fand ich dieses Vorgehen interessant und habe weiter nachgeforscht. Leicht kommt man an Informationen nicht heran, aber wenn man z.B. auf den offiziellen Nato-Seiten die Berichte über Einsätze von Spezialeinheiten verfolgt, stellt man schnell fest, dass sogar beim deutschen KSK die Grenzen zwischen militärischem Einsatz und eher polizeilicher Tätigkeit fließend sind.“

Mit dem Anfang wirft die Autorin ihre Leser mitten ins Geschehen. Bereits nach wenigen Seiten steckt man in behördenübergreifenden Ermittlungen. Auch auf dem privaten Segment erleben die Figuren große Veränderungen.  Das Tempo ist dabei rasant und nicht immer plastisch: Die Ereignisse kommen so schnell, als würden dem Anfang rund 100 Seiten fehlen. Da erlebt der Leser hautnah, dass Sven über den Verlust seiner Familie noch lange nicht hinweggekommen ist - ein tragischer Unfall hat ihm seine Frau und Kind genommen -, um wenige Seiten später von Funken zu lesen, die den Kriminalkommissar nach einer flüchtigen Begegnung mit einer Frau ereilen. Die Entwicklung vom trauernden Mann und Vater zu einem Menschen, der mit seiner Vergangenheit abschließt und sich einer neuen Beziehung öffnet, geschieht hier eindeutig zu schnell. Nach meinen Nachfragen stellte sich allerdings heraus, dass tatsächlich unzählige Seiten dem Lektorat zu Opfer gefallen sind, was unglaublich schade ist.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Verlag ein bisschen zu sehr auf einen Regio-Krimi (eigentlich Thriller) gesetzt hat. Ein paar Straßennamen weniger hätten es auch getan.

Doch hat man den etwas unrunden Anfang hinter sich gelassen, entdeckt man schon bald die wahren Stärken von Stefanie Ross: Spannung, Action und viel Gefühl. Die Seiten fliegen nur so dahin, und so mancher Skeptiker mag vielleicht verwundert feststellen: Auch Hamburg kann rasante Verfolgungsjagden liefern, da braucht man nicht sofort auf die Übersee zu schielen. Mit diesem Roman liefert Stefanie Ross einen wahren Pageturner ab.

Wem also „Tatort“ mit Schweiger und „Alarm für Cobra 11“ zu lahm sind, der kann ruhig zu „Fatale Bilanz“ greifen. Sobald das Popcorn griffbereit steht, ist das Kopfkino garantiert! Nur gut, dass bereits in ein paar Tagen die Fortsetzung „Zerberus - Unsichtbare Gefahr“ im Lyx-Verlag erscheint.

28.10.13

In der aktuellen Ausgabe des Autorennewsletters "The Tempest" ist mein Interview mit Jasper Nicolaisen (Verlag das BEBEN) erschienen. Wir sprechen über die "E"- und "U"-Literatur, über Vorteile von eBook-Verlagen und über die Leser und Leserinnen, wie der "Verlag das BEBEN" sie sich vorstellt. Das Interview ist HIER zu lesen.

Mehr Neuigkeiten findet ihr auf meiner Facebook-Seite.

09.10.13

ca. 170 Seiten
Verlag Das Beben
ASIN: B00EWNT3AY (eBook)

„Doch! Es gab einen Patienten, dem sie fast regelmäßig Besuche abstattete, diesen einen Fall, der sie seit Jahrzehnten nicht losließ. Und das, obwohl er sich längst und sicherlich auch langfristig in der Obhut der Klinikärzte befand. Dafür hatte sie selbst gesorgt.“ 
Thomas R. spricht nicht über seine Kindheit, er erwähnt mit keinem Wort seine Motive oder wie er bei den Taten vorgegangen ist.Von den Anfängen der Pilzkunde bis zur heutigen Mykologie* scheint das Einzige zu sein, worüber er sich zu unterhalten gewillt ist. Dass er hinter den grausamen Morden steckt, bezweifelt Dr. Erika Pellka in keiner Weise. Am 14. Oktober 1984 meldet Thomas R. zum ersten Mal den Fund einer Mädchenleiche - beim Pilzsuchen sei er darauf gestoßen, behauptet er. Einige Zeit später findet er noch eine Leiche, ebenfalls beim Pilzsuchen, und schließlich noch eine … 
„Ich muss Ihnen ein Geständnis machen“ - nach all den Jahren glaubt Dr. Pellka, endlich in die Mentale Mykorrhiza dieses seltsamen Mannes vorgedrungen zu sein. 
Bereits mit den ersten Sätzen schafft Frank Dukowski es, den Leser neugierig zu machen - nicht nur darauf, wie [/i]Die Regularitätstheorie Ein Wort über das Pilzsammeln und seine Bedeutung für den inneren Menschen[/i] erklären kann. Eine originelle Idee liegt dieser Novelle zu Grunde, beinahe unmerklich lockt der Autor seine Leser in den Wald, in dem ein seltsames, unheimliches Mädchen dem Protagonisten Thomas R. Die Bedeutung der Pilze im Haushalte der Natur und des Menschen auf eine mehr als mystische Weise näher bringt. Schon bald ist Thomas R. dem Wald und seiner Freundin, die er Myriam nennt, vollkommen ausgeliefert. 
„»Jetzt du!« 
Ich tat es ihr nach. Es schmeckte unbeschreiblich; wie Rübenkraut, nur herber; wie käse, nur süßer; wie gezuckerter Bierschaum. Anfangs berührten unsere Zungen die klebrige Substanz immer nur zart und kurz. Wir nahmen nur kurz den Geschmack auf und wechselten uns ab. Bald wurden wir gieriger. Myriam war es, die als Erste den ganzen Kopf in den Mund nahm und ihn mit gespitzten Lippen wieder herausgleiten ließ.“ Die Szene zwischen Myriam, Thomas und der Schleierdame - jenem seltenen Pilz der Gattung Stinkmorchel, ist in jedem Sinne des Wortes der heimliche Höhepunkt der Novelle. Mit klaren, unverbrauchten Beschreibungen schildert Frank Dukowski das erotische Zusammenspiel zwischen zwei Kindern, die langsam erwachsen werden. Von dem anfänglichen ‚Iiihhh, wie eklig’ bis zur alles verschlingenden Leidenschaft greift der Autor das Sujet auf sehr unterschiedlichen Ebenen auf. Ebensolche Tiefe wünscht man sich auch für die gesamte Novelle. Doch das hohe Maß durchgehend zu halten, gelingt Frank Dukowski leider nicht immer. Besonders zum Ende hin hofft man auf mehr Verbindungen zwischen dem Fantastischen und der Wirklichkeit, doch obwohl die letzten Seiten durchaus zum Nachdenken anregen und zu Spekulationen verführen, die Tiefe, die man in der oben erwähnten Szene entdeckt, wird nicht gänzlich erreicht.  
„Die Wirklichkeit steht stets auf wackeligen Füßen“, erzählt Frank Dukowski. „Ich weiß nicht in welcher Wirklichkeit meine Novelle spielt.“ Das darf der Leser durchaus selbst herausfinden. „Vor dem Pilzgericht“ ist eine Novelle mit viel Potenzial, und allein wegen der oben erwähnten Szene lohnt es sich durchaus, sie zu entdecken. Der neu gegründete „Verlag das Beben“ hat mit dieser Geschichte einen Start vorgelegt, der durchaus zu beachten ist. Allerdings sollten die Macher etwas mehr darauf achten, ihren eigenen Aussagen gerecht zu werden. „Das BEBEN will den versammelten AutorInnen […] durch Lektorat und Korrektorat unter die Arme greifen“, ist auf der Homepage zu lesen, doch gerade das Lektorat und Korrektorat lassen bei dieser Geschichte zu wünschen übrig - die vielen Fehler mindern doch ein wenig das Lesevergnügen. 
 
* Kursiv geschrieben werden in der Rezension die Kapitelüberschriften der Novelle verwendet