09.11.13

344 Seiten
Sutton-Verlag
ISBN-13: 978-3954000302

Dieses Buch habe ich letztes Jahr zum Geburtstag bekommen. Es war der erste Roman von Stefanie Ross, den ich in den Händen gehalten habe, aber nicht der erste, den ich lesen durfte. Da mein Stapel der zu rezensierenden Bücher meistens zu kippen droht, musste das private Vergnügen leider etwas länger warten.

Und worum geht es in „Fatale Bilanz“? Als Schüsse am Hamburger Rödingsmarkt fallen, nimmt der Kriminalkommissar Sven Klein die Angelegenheit sehr persönlich. Immerhin standen dabei zwei seiner Kollegen unter Beschuss. Der Bankmanager Joachim Kranz, den der Scharfschütze ins Visier genommen hat, kommt allerdings nur mit einem Schrecken davon. Pures Glück, oder waren die Schüsse bloß eine Warnung? Sven Klein nimmt die Ermittlungen auf, und schon bald steht er im Fadenkreuz skrupelloser Drahtzieher, die sogar mit Al-Quaida in Verbindung gebracht werden.

Scharfschützen, Terroristen, ein Bundeswehr-Hubschrauber im Einsatz und SEALs in Hamburg - wer zu „Stefanie Ross“ greift, bekommt auch „Stefanie Ross“, und da kann keiner sagen, er hätte „was anderes erwartet“. Der Name ist in diesem Fall Programm. Ist denn all das überhaupt realistisch? Die Autorin erklärt: „Ich bin mehr oder weniger durch Zufall darauf gestoßen, dass im Rahmen der Ermittlungen zu 9/11 tatsächlich Polizeibehörden und militärische Spezialeinheiten zusammengearbeitet haben. Als ich selbst zu schreiben begann, fand ich dieses Vorgehen interessant und habe weiter nachgeforscht. Leicht kommt man an Informationen nicht heran, aber wenn man z.B. auf den offiziellen Nato-Seiten die Berichte über Einsätze von Spezialeinheiten verfolgt, stellt man schnell fest, dass sogar beim deutschen KSK die Grenzen zwischen militärischem Einsatz und eher polizeilicher Tätigkeit fließend sind.“

Mit dem Anfang wirft die Autorin ihre Leser mitten ins Geschehen. Bereits nach wenigen Seiten steckt man in behördenübergreifenden Ermittlungen. Auch auf dem privaten Segment erleben die Figuren große Veränderungen.  Das Tempo ist dabei rasant und nicht immer plastisch: Die Ereignisse kommen so schnell, als würden dem Anfang rund 100 Seiten fehlen. Da erlebt der Leser hautnah, dass Sven über den Verlust seiner Familie noch lange nicht hinweggekommen ist - ein tragischer Unfall hat ihm seine Frau und Kind genommen -, um wenige Seiten später von Funken zu lesen, die den Kriminalkommissar nach einer flüchtigen Begegnung mit einer Frau ereilen. Die Entwicklung vom trauernden Mann und Vater zu einem Menschen, der mit seiner Vergangenheit abschließt und sich einer neuen Beziehung öffnet, geschieht hier eindeutig zu schnell. Nach meinen Nachfragen stellte sich allerdings heraus, dass tatsächlich unzählige Seiten dem Lektorat zu Opfer gefallen sind, was unglaublich schade ist.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Verlag ein bisschen zu sehr auf einen Regio-Krimi (eigentlich Thriller) gesetzt hat. Ein paar Straßennamen weniger hätten es auch getan.

Doch hat man den etwas unrunden Anfang hinter sich gelassen, entdeckt man schon bald die wahren Stärken von Stefanie Ross: Spannung, Action und viel Gefühl. Die Seiten fliegen nur so dahin, und so mancher Skeptiker mag vielleicht verwundert feststellen: Auch Hamburg kann rasante Verfolgungsjagden liefern, da braucht man nicht sofort auf die Übersee zu schielen. Mit diesem Roman liefert Stefanie Ross einen wahren Pageturner ab.

Wem also „Tatort“ mit Schweiger und „Alarm für Cobra 11“ zu lahm sind, der kann ruhig zu „Fatale Bilanz“ greifen. Sobald das Popcorn griffbereit steht, ist das Kopfkino garantiert! Nur gut, dass bereits in ein paar Tagen die Fortsetzung „Zerberus - Unsichtbare Gefahr“ im Lyx-Verlag erscheint.