23.08.12

464 Seiten
Fischer-Verlag
ISBN-13: 978-3841421449

Von dem Roman „Die Auswahl“, besser bekannt als „Cassia & Ky 1“, war ich vollkommen begeistert. Es war meine erste Dystopie, und sie hat mich nachhaltig beeindruckt. Wer ein anspruchsvolles Jugendbuch lesen wollte, dem habe ich ohne Zweifel diesen Roman empfohlen. Er kommt ohne große Action und plakative Liebesgeschichte aus, hat aber eine unterschwellige Spannung und den Stil, der die Handlung wunderbar unterstreicht und auf einer Meta-Ebene verstärkt.

Selbstverständlich war ich Feuer und Flamme auf die Fortsetzung „Die Flucht“ und konnte sie kaum erwarten. Umso ernüchternder war allerdings die Begegnung mit diesem Roman. Nach dem Höhenflug meiner Lesergefühle in „Die Auswahl“ kam es hier zu einem regelrechten Absturz. Ist es nicht die wichtigste Regel eines jeden Autors, dass jede Szene die Geschichte weiterbringen sollte, wenn nein - lass sie weg? Im Fall von „Die Flucht“ kann man den gesamten Band getrost weglassen. Ich könnte die Handlung in wenigen Sätzen umreißen und ihr bräuchtet den Roman nicht mehr zu lesen. Um die zwei-drei Spoiler zu vermeiden, brauche ich dafür nur einen Satz: Cassia und Ky irren durch einen Canyon. Soviel zum Inhalt.

Nun zum Stil. Auch hier muss ich nicht viel drum herum reden: Von dem wundevollen Zusammenspiel der Sprache und des Inhalts aus dem ersten Band ist hier nichts mehr zu sehen. Die Geschichte wird dieses Mal aus zwei Perspektiven erzählt: Cassia und Ky, beide in der Ich-Form. Doch diese zwei „Ichs“ unterscheiden sich so wenig von einander, dass man ohne die Überschriften gar nicht festzustellen vermag, wer wer ist.

Gibt es etwas Positives über das Buch zu sagen? Ja. Das Ende lässt mich hoffen, dass die Autorin sich wieder fängt und im dritten Band an den ersten anknüpfen kann.

Fazit: Ich habe noch nie eine Reihe gelesen, die mich beim ersten Band so begeistert und beim zweiten so enttäuscht hat.