Es gibt Autoren, die setzten sich vor ein leeres Blatt und schreiben einen Roman von Anfang bis zum Ende nieder, ohne zu wissen, wohin die Reise führen wird. Und es kommt ein Bestseller raus.
Andere dagegen verheddern sich in den Handlungssträngen oder gelangen in eine Sackgasse. Da hilft nur eins: sich sorgfältig mit dem Plot auseinander zu setzen.

Was ist „Plotten“?

Ein Plot ist der Handlungsverlauf einer Geschichte. Ein guter Plot besteht aus Konflikten und verfügt über einen Spannungsbogen. Es ist empfehlenswert, den Konflikt so früh wie möglich zu zeigen. Dadurch wird beim Leser die Neugier geweckt. Denn wer möchte schon 20 Seiten lang darüber lesen, wie Herr Müller Spaghetti kocht, bevor er von den bösen Jungs brutal überfallen wird?
Auch die Spannung mag gezielt eingesetzt werden. Manchmal braucht der Leser auch eine Pause zum Aufatmen und Nachdenken. Abwechslung von actionreichen und ruhigen Szenen verhindert dabei die Langeweile. Deshalb sollte man hier nicht von einem SpannungsBOGEN, sondern eher von einer immer steigenden SpannungsWELLE reden.

Wie kann man beim Plotten vorgehen?

Am Anfang steht eine Idee, eine Szene oder ein Charakter. Damit kann man aber meistens noch nicht viel anfangen. Einige Ideen taugen nichts und wandern in einen Ideen-Notizblock. Andere dagegen wachsen und wollen irgendwann zu einem Roman/einer Kurzgeschichte werden.
So kann man dabei vorgehen:
1. Baut eure Idee aus: Worum soll es gehen? Was ist der Konflikt? Welche Protagonisten treten auf? Was wollen sie und warum? Wer steht ihnen im Weg?
Manchmal hilft es, das Ganze kurz aufzuschreiben.
2. Wenn der Verlauf der Geschichte feststeht und die Charaktere mehr oder minder ausgebaut sind, entwickelt den vollständigen Plot. Beginnt zuerst mit dem Hauptstrang, schreibt alles in Stichpunkten auf, z. B.:
- Nächtliche Straße: Marie trifft zufällig Alfred, der ihr über die Diamanten seiner Großmutter erzählt.
Dabei kann es zu einigen offenen Fragen kommen, die ihr später klären könnt (z. B.: Warum ging Marie um 2 Uhr nachts durch die Rathausstraße?) Markiert diese, damit ihr sie schnell finden könnt. Sobald ihr die Antworten wißt, schreibt diese an den entsprechenden Stellen nieder.
Fügt nach und nach die Nebenstränge ein. Führt zuerst einen zu Ende, bevor ihr den Nächsten beginnt. So verzettelt ihr euch nicht und merkt sofort, falls irgendwas nicht stimmt oder nicht reinpasst.
Versucht danach, die Stichpunkte zu Szenen einzuordnen und überlegt, aus wessen Sicht ihr diese Szenen schreiben wollt. Die Perspektive innerhalb einer Szene soll nicht „springen“. Innerhalb eines Kapitels - kein Problem, solange man als Leser versteht, wer gerade handelt.
Wenn alles steht, könnt ihr einfacher nachverfolgen, was in eurem Roman passiert. Lücken, Abschweifungen etc. fallen dabei schneller auf. Schaut euch an, wo ihr dem Leser Informationen vermittelt, wo eine Actionszene kommt, wo ein Cliffhanger steht usw. Versucht, diese abwechselnd zu gestalten, denn fünf Actionszenen nacheinander fangen sehr schnell an zu langweilen.
3. Ordnet euren Plot nach Kapiteln ein. Beachtet, dass in jedem Kapitel ein eigener kleiner Spannungsbogen vorhanden sein sollte. Dabei ist es gut, wenn das Ende einige Fragen aufwirft, damit der Leser zum nächsten Kapitel greift. Achtet immer wieder darauf, dass genügend Abwechslung stattfindet.

Natürlich könnt ihr während des Schreibens euren Plot ändern, Szenen einfügen oder einige streichen. Mit so einem Plan seht ihr aber besser, was wohin passt oder nicht. Die Gefahr in eine Sackgasse zu gelangen, wird bis auf ein Minimum reduziert – denn ihr wißt immer, wie die Geschichte verlaufen soll. Im schlimmsten Fall kann man immer noch zu dem Punkt zurückkehren, wo etwas schief lief. Zudem habt ihr den Vorteil, immer den Überblick zu behalten, wo ihr mit eurem Werk gerade steht und wie gross es in etwa werden wird.

Wie baut man einen Spannungsbogen im Roman auf?

Sehr beliebt ist die sogenannte Drehbuch-Methode. Die Geschichte besteht dabei aus drei Akten, zwei Plotpointen und einer Midpointe.
1. Akt:
- Einführung in die Geschichte. Der Leser muss neugierig gemacht werden, am besten schon auf der ersten Seite. Ein langweiliges Buch wird im Durchschnitt nach 20 Seiten weggelegt. Lektoren geben dem Roman meistens nur eine Seite Zeit, oft nur paar Absätze.
- Aufbau des Konfliktes. Die wichtigsten Figuren werden vorgestellt. Der Konflikt, der das Leben des Protagonisten verändern soll, wird aufgebaut. Dabei muss der Protagonist darauf reagieren, er darf (kann) nicht untätig bleiben.
-> Plotpointe 1: Der Protagonist steht vor einem Problem und muss entscheiden, was er tun soll.
2. Akt:
- Steigerung des Konfliktes. Der Protagonist versucht sein Ziel zu erreichen. Der Antagonist versucht ihn daran zu hindern. Der Konflikt wird weiter gesteigert, der Protagonist muss immer größere Hürden überwinden.
- Midpointe. Der Held bekommt eine Atempause. Allerdings soll beim Leser gleichzeitig das Gefühl erzeugt werden, dass es danach zum allerschlimmsten Fall kommt.
-> Plotpointe 2: Der Protagonist steht vor einem (nahezu) unlösbaren Problem. Er ist am Ende seines Lateins angelangt, die Situation ist aussichtslos. Er kann aber nicht mehr zurück.
3. Akt:
- Die Krise. Es kommt zu einem entscheidenden Kampf.
- Abbau des Konfliktes. Der Konflikt wird gelöst – zum Wohle oder Unwohle des Protagonisten. Am Schluss wird die Spannung abgebaut, alle Fragen beantwortet.

Ein Beispiel anhand von „Rotkäppchen“:
1. Akt: Dem Leser wird Rotkäppchen vorgestellt. Wir wissen, dass das Mädchen seine Oma besuchen muss. Der Weg dorthin verläuft durch den Wald.
-> Rotkäppchen macht sich auf den Weg, mit der guten Absicht, nicht mit Fremden zu reden.
2. Akt: Rotkäppchen trifft den Wolf. Das Mädchen nimmt den längeren Weg, der Wolf den kürzeren. Er gelangt zur Oma und frisst die alte Dame. Zwischendurch trifft Rotkäppchen auf die Jäger (Midpointe). Der Leser weiß inzwischen, dass der Wolf schon im Haus ist und auf das Mädchen wartet.
-> Rotkäppchen kommt beim Wolf an.
3. Akt: Rotkäppchen wird vom Wolf gefressen (Krise), es kommen Jäger und töten den Wolf (Auflösung des Konflikts). Rotkäppchen und die Oma werden befreit (Abspann)

Nahezu alle Romane sind mehr oder minder nach diesem Schema aufgebaut. Es können aber immer wieder Variationen vorkommen. Experimente sind erlaubt, haltet euch nicht sklavisch an diese Vorgaben.

Welche Fragen sollen vor dem Schreibbeginn beantwortet werden?

- Was ist der Konflikt der Geschichte? Was ist die Anfangssituation?
- Wer sind die Protagonisten? Welche negativen und positiven Seiten haben sie? Was für eine Veränderung werden sie im Verlauf der Geschichte durchmachen?
- Wer sind die Antagonisten, wer/was steht den Protagonisten im Weg? Welche positiven und negativen Seiten haben sie?
- Was ist das Ziel der Protagonisten? Warum wollen sie es erreichen? Wie wollen sie es erreichen?
- Warum wollen die Antagonisten die Protagonisten daran hindern? Wie wollen sie das tun?
- Wie wird der Konflikt aufgebaut und schließlich gelöst?

Ausführliche Plotarbeit spart in der Regel Schreibzeit.

Viel Erfolg!

Literaturhinweis:
1. Sol Stein „Über das Schreiben“. Verlag: zweitausendeins, ISBN: 3861502267
2. Ronald B. Tobias „20 Masterplots. Woraus Geschichten gemacht werden“. Verlag: zweitausendeins, ISBN: 3861503026